Im letzten Monat haben 54 Menschen an meiner Umfrage zum Erleben der Coronazeit mitgemacht und ihre Erfahrungen, Sorgen und Gedanken zu allem, was damit zusammenhängt, geteilt. Danke dafür – ihr seid toll! Jetzt, kurz vor Ende dieses Jahres – TATATATAAA – ist der Moment gekommen, etwas mit den Antworten anzufangen.

Das wichtigste zuerst: Alle Ergebnisse findet ihr vollständig und wie versprochen anonym unter montagsbar.org , zusammen mit einer Einladung in die Online-Bar (am Sonntag, den 9.1.22 zur besten Tatortzeit ab 20:15 ;), wo wir uns über alle Fragen und Antworten von Angesicht zu Angesicht austauschen können.

Ich bin sehr dankbar für jede einzelne Rückmeldung und für das Vertrauen, das ihr mir damit entgegengebracht habt. Die Offenheit der meisten Antworten, eure fast durchweg sehr persönlichen Schilderungen, haben mich sehr berührt. Ich wünschte, wir könnten immer so miteinander reden, eher die eigenen Gedanken teilen als mit dem Finger auf andere zu zeigen – das nähme so viel Schärfe aus mancher Diskussion!

Diesen persönlichen Schilderungen wird keine Zusammenfassung gerecht, ihr findet sie daher komplett und unverändert auf https://montagsbar.org. Als Appetizer hier ein Ausschnitt aus den Antworten auf die Frage „Welches Erlebnis im Zusammenhang mit Corona beschäftigt dich besonders stark?“ als Screenshot:

Falls ihr das hier nicht lesen könnt findet ihr die Antworten als pdf komplett unter https://montagsbar.org/2021/12/was-uns-antreibt-einladung-zur-diskussion-in-der-bar/

Beim Lesen der Antworten hat mich einiges überrascht – worüber ich mich sehr freue. Ich möchte versuchen, ein paar meiner Verwunderungen, Aha-Erlebnisse und erste „Learnings“ hier aufzuschreiben, möglichst ohne dabei in ein kategorisierendes Reden ÜBER die einzelnen Menschen zu verfallen, die an der Umfrage teilgenommen haben. Sagt ruhig Bescheid, wenn das in euern Augen nicht gelingt.

Im Übrigen, und das war Absicht, weiß ich fast nichts über die Menschen, die mitgemacht haben. Die einzigen Fragen, über die vielleicht eine Einordnung in Schubladen erfolgen könnte (auch wenn ich das nicht vorhabe), bezogen sich auf den eigenen bisherigen Kontakt mit der Krankheit. Von 54 Teilnehmenden haben lediglich 4 nachgewiesenermaßen bereits selbst eine Infektion mit Covid-19 gehabt. Aber fast jede*r kennt Fälle im direkteren Umfeld – nur 6 Personen von 54 kennen niemanden, der bisher daran erkrankt ist.

Bei der Frage danach, was die Menschen in nunmehr fast zwei Jahren pandemischer Stimmung am meisten Kraft kostet (eine Freitextfrage) wurden mit Abstand am häufigsten Zerwürfnisse und Diskussionen auch im privaten Umfeld genannt – und ich vermute, dass „sich moralisch unter Druck fühlen“ genauso wie „andere Positionen aushalten“ ebenfalls in diesen Kontext gehört. Am zweithäufigsten wurden Belastungen im Zusammenhang mit Studium und/oder Beruf genannt. Gesundheits- , psychische oder körperbezogene Aspekte werden dagegen weitaus seltener erwähnt. Irgendetwas ist also wohl kaputtgegangen in unserem Umgang miteinander und wir könnten uns allen einen großen Gefallen tun, wenn wir das wieder heil bekommen. Wie geht das: im Kontakt bleiben und gemeinsam Lösungen finden, wenn wir in wichtigen Fragen Unterschiedliches meinen und wollen? Wie geht das – auf zwischenmenschlicher genauso wie auf politischer Ebene? Hierüber würde ich sehr gerne mit euch weiterreden – zum Beispiel am 9.1.22 in der Online-Bar.

Sehr spannend und in gewisser Weise auch direkt dazu passend fand ich die Antworten auf die Frage „Welche Aspekte gehören für dich zu einer guten Demokratie?“ Dies war eine sogenannte Matrixfrage, d.h. es konnte jeweils angekreuzt werden, für wie zutreffend der jeweilige Aspekt gehalten wurde. Die Ergebnisse sehen so aus:

Es scheint also in dem (nichts repräsentierenden) Kreis der Teilnehmenden eine weitgehende Zustimmung zu den Prinzipien der Gewaltenteilung, des Minderheitenschutzes, der Pressefreiheit und des Rechts auf Bildung zu geben – das finde ich (mit den Entwicklungen in Polen und Ungarn im Kopf) irgendwie beruhigend. BeUNruhigend hingegen finde ich, dass „unterschiedliche Werte und Kompromisse“ schon nicht mehr für so viele Menschen zu den Grundlagen einer Demokratie gehören. Vielleicht habe ich die Frage missverständlich gestellt und jetzt verstehe ich die Antworten falsch. Andernfalls würde ich zu bedenken geben: Müssten wir in einer Demokratie nicht vielmehr davon ausgehen, dass die einzelnen Menschen selbstverständlich unterschiedliche Wertvorstellungen haben, schon allein, weil diese vielleicht abhängig von einer individuellen Lebensgeschichte sich entwickeln und per se auch veränderlich sind? Und ist nicht Kompromissfähigkeit erst das, was ein Miteinander unterschiedlicher Menschen/Parteien/etc… möglich macht? Brauchen wir eine Demokratie, wenn sich eh alle einig sind – täte es dann nicht auch ein guter König? (Und jetzt Problem: es wäre nicht für alle derselbe….)

Mir drängt sich ein wenig der Eindruck auf, und natürlich kann ich mich irren!, dass das vielleicht die Kehrseite der als Belastung empfundenen Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten sein könnte. Vielleicht stressen diese uns ja genau deshalb so sehr, weil wir Kompromisse und Auseinandersetzungen bereits per se für ein Problem halten. Oder umgekehrt: da wir es unangenehm finden, unsere eigenen Haltungen begründen, rechtfertigen und in Aushandlungsprozessen zur Diskussion stellen zu müssen, möchten wir uns lieber nicht vor Augen führen, dass Demokratie Unterschiede akzeptiert und den Kompromiss braucht?

Frau Merkel 1995 zum Thema Kompromisse. Aus dem Fotobuch über sie von Herlinde Koelbl. Und natürlich, da taucht auch wieder die Frage nach der Dringlichkeit bestimmter Entscheidungen auf, hier beim Klima.

Wie auch immer es sich mit Henne und Ei verhalten mag, mir scheint, das Thema, wie wir privat und politisch einen guten Umgang mit unterschiedlichen Standpunkten finden, verdient zur Zeit unsere ganz besondere Aufmerksamkeit.

Es würde mich freuen, wenn wir auch darüber vielleicht am 9.1.22 in der montagsbar reden könnten. Oder hier, wenn ihr mir Kommentare hinterlassen wollt.

Und da es zur Umfrage noch viel mehr zu sagen gäbe: Fortsetzung folgt, versprochen 😉 Das willst du nicht verpassen? Dann melde dich am besten gleich mit deiner Emailadresse für die Benachrichtigungen an!

Ein Kommentar zu „Was euch bewegt – die Antworten!

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